Historie

Freimaurerei in Mainz

Im Jahre 1717 gründeten Freimaurerlogen in London eine Großloge und formulierten 1723 mit den sog. „Konstitutionen“ eine tolerante, den Idealen der Aufklärung verpflichtete Geisteshaltung.
Bald entstanden Freimaurerlogen auch auf dem Kontinent. Graf Albrecht Wolfgang von Schaumburg-Lippe war Mitglied der englischen Großloge und gab wesentliche Impulse für erste freimaurerische Aktivitäten in Deutschland. Urkundlich wird die Hamburger Loge „Absalom“ als erste Logengründung in Deutschland erwähnt.
In Mainz erfolgten in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts verschiedene Logengründungen:

  • die französische Feldloge „De la Vertu“ während des Siebenjährigen Krieges (die Existenz wird erwähnt, ist aber urkundlich nicht nachweisbar)
  • die zur Strikten Observanz gehörige Loge „Zu den drei Disteln“ (1765-1767)
  • die Loge „Zum goldenen Rad“ (1789-1792)
  • die Loge „Zur Rose“ (ca. 1792).

Am 26.4.1803 wurde während der napoleonischen Zeit die Loge „Les amis réunis“ („Die vereinigten Freunde“) gegründet, die bis heute besteht. Mitbegründer war der Mainzer Veit Joseph Liebler, in dessen Apotheke am Markt die ersten Versammlungen der Loge stattfanden.

Der Präfekt des Departements Donnersberg, Jeanbon St. André wurde im Jahre 1808 zum dritten Stuhlmeister der Loge gewählt. Sein Engagement galt u.a. der Würdigung Gutenbergs und der Reform des Schulwesens. Die Satzung aus dem Jahre 1812 dokumentiert das humanitäre Anliegen der Freimaurerei und gibt Aufschluss über den Aufbau der Loge sowie den Rechten und Pflichten ihrer Mitglieder; deren vornehmstes Recht war und ist die jährliche Wahl des Vorsitzenden („Stuhlmeisters“).
Nach der napoleonischen Ära wurde Veit Joseph Liebler mit dem Amt des Stuhlmeisters betraut. Er führte die Loge zunächst nach dem System und den Ritualen des Großorients von Frankreich bis die Frage der Zugehörigkeit zu einer deutschen Großloge geklärt war. Am 2.10.1815 erhielt er ein Patent unter dem Namen „Die vereinigten Freunde im Orient von Mainz“ von Landgraf Carl von Hessen-Kassel, der dänischer Statthalter in Schleswig, Holstein und Norwegen war und in der Freimaurerei seiner Zeit eine führende Rolle spielte.

Im Jahre 1818 gründeten Mitglieder der „Vereinigten Freunde“ eine dritte Loge in Mainz und schlossen sich der eklektischen Bundesloge in Frankfurt an. Die Loge wurde von Großherzog Ludewig I. bewilligt und am 21.6.1819 unter dem Namen „Ludewig zur Eintracht“ installiert. Ludewig I. war selbst Mitglied verschiedener Freimaurerlogen und hatte bereits 1816 der Darmstädter Loge „Johannes der Evangelist“ das Konstitutionspatent erteilt, die unter seinem Beisein sowie seines Hofbaumeisters Georg Moller unter dem Vorsitz des Freiherrn von Wedekind eröffnet wurde.

Ludwig v. Hessen

In Mainz führte das gute Verhältnis der Logen „Zum eisernen Kreuz“ und „Ludewig zur Eintracht“ zum Zusammenschluss im Jahre 1822 unter dem Namen „Ludewig zur Eintracht“.
Nach dem Tode des Landgrafen und Großmeisters Carl von Hessen-Kassel bildeten die beiden Logen „Die vereinigten Freunde“ und „Ludewig zur Eintracht“ im Jahre 1837 die Loge „Die Freunde zur Eintracht“. Unter diesem Namen arbeitet die Loge noch heute.
Im Jahre 1845 errichtete Großherzog Ludwig II. unter seinem Protektorat die Großloge „Zur Eintracht“, der auch die Mainzer Logen angehörten.
Im Jahre 1909 gründeten Mitglieder der Mainzer Loge eine zweite Loge mit dem Namen „Zum Goldenen Rad am Rhein“. Die Loge ist seit dem Jahre 1983 nicht mehr aktiv.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahre 1933 begann die systematische Verfolgung der Freimaurerei in Deutschland. Die Mainzer Loge wurde aufgelöst, das Logenhaus 1934 von der Gestapo geplündert und das Logenarchiv verschleppt. Nach dem Luftangriff am 27. Februar 1945 brannte das Logenhaus aus.

 

Bilder des Logenhauses vor 1945

Die Mainzer Loge erhielt von den Amerikanern bereits am 7. Juli 1945 die Genehmigung zur Wiederaufnahme ihrer Logentätigkeit. Diese Erlaubnis wurde am 5. April 1946 von der französischen Militärverwaltung bestätigt. Die ersten Arbeiten der Loge wurden im Hotel „Continental“ abgehalten.

Am 3. Oktober 1965 wurde das neue Logenhaus in der Holzstraße 10 eingeweiht.
Als ein Zeichen der Verbrüderung und der Aussöhnung nach dem Krieg wurde im Jahre 1967 die Partnerschaft mit der französischen Loge „La Sincérité“ (Reims) begründet.

Im Jahre 2003 konnte die Mainzer Loge ihr 200-jähriges Jubiläum begehen. Der Festakt fand im Mainzer Ratsaal in Anwesenheit des Mainzer Oberbürgermeisters Jens Beutel statt und wurde von der Presse gewürdigt. Die Loge hat aus diesem Anlass eine Festschrift veröffentlicht, die einen ausführlichen Einblick in die Logengeschichte und das freimaurerische Brauchtum bietet.
Ein weiterer Schritt in die Öffentlichkeit erfolgte im Januar 2004, als die Loge ihr ehemaliges, nach der Wiedervereinigung zurück erworbenes Logenarchiv als Depositum dem Mainzer Stadtarchiv übergab und somit Interessierten zugänglich machte.