Archiv der Loge

Dokumente der Mainzer Loge: Archiv, Geschichtsschreibung und Wissenschaft

Mit der Wiedervereinigung begann auch eine Wende für die freimaurerische Geschichtsforschung, denn die einst beschlagnahmten und weggeführten Archivbestände deutscher Freimaurerlogen wurden wieder zugänglich. Die Ironie des Schicksals hat auf diese Weise unzählige Dokumente retten können, die ansonsten wohl ein Raub der Flammen geworden wären; so zumindest für das Archiv der Mainzer Loge.

Die Freimaurerarchivalien von etwa 1000 deutschen Freimaurerlogen des 18.-20. Jahrhunderts werden heute durch das Geheime Staatsarchiv Preussischer Kulturbesitz in Berlin betreut und stehen dort zur wissenschaftlichen Aufarbeitung bereit. Dorthin wurden die Bestände in den Jahren 1993/94 verbracht, nachdem sie vor der Wiedervereinigung in Merseburg während fünfzehn Jahren bearbeitet und verzeichnet  wurden.

Die Mainzer Loge hat beschlossen, ihre Archivbestände auch zukünftig durch das Geheime Staatsarchiv betreuen zu lassen.

Der Bestand der Mainzer Loge umfasst Protokollbücher, Mitgliederverzeichnisse, Rituale, Gelöbnisbücher sowie Unterlagen von Stiftungen und Finanzbücher. Von Interesse sind die Unterlagen über einzelne Mitglieder, die zumeist das Aufnahmegesuch und den Lebenslauf enthalten. Leider sind viele dieser Dossiers leer bzw. es existiert lediglich der Umschlag mit Namen. Dies trifft insbesondere für die französische Zeit (1803-1815) zu.

Archivalien der Mainzer Loge und vieler anderer deutscher Logen aus der französichen Zeit befinden sich in der Nationalbibliothek von Paris. Das Register der freimaurerischen Sammlung („Fonds maçonnique“) umfasst außer den Druckwerken über Freimaurerei auch das Archiv des Grand Orient de France, das Ende des 19. Jh. der Nationalbiblothek überlassen wurde. Hier befinden sich die Unterlagen jener Logen, die dem G.O.D.F. unterstellt waren oder mit ihm korrespondierten, also auch der Mainzer Loge,  für die Zeit von  1803-1811. Es handelt sich hierbei um Abschriften der Mitgliederverzeichnisse sowie die Korrespondenz mit dem G.O.D.F. bezüglich der anfänglichen Bitte um eine Konstitution bis hin zu Vorträgen der Loge.

Die Zugehörigkeit der Mainzer Loge zur Großloge „Zur Eintracht“ in Darmstadt wird in den Unterlagen des Hessischen Staatsarchives Darmstadt dokumentiert (Mitgleiderverzeichnisse und Korrespondenz).  Ein kleinerer Bestand an Mitgliederverzeichnissen (Doubletten) werden heute von der Universitätsbibliothek Posen betreut. In der Stadtbibliothek von Strasburg befinden sich verschiedene Briefe und Mitgliederverzeichnisse im Nachlass von Paul Gerschel.

Im Mainzer Stadtarchiv  befindet sich der freimaurerische Nachlass des Mitglieds Nikolaus Karl Molitor. Die Unterlagen waren vermutlich im Besitz von Ludwig Lindenschmit gewesen und aus dessen Besitz an das Stadtarchiv gekommen. Der Nachlass enthält Mitgliederverzeichnisse, Druckstücke der Loge, Vorträge, verschiedene Freimaurerische Abhandlungen und Druckschriften sowie die erste geschichtliche Darstellung über Logen in Mainz, insbesondere der Loge „Les amis réunis“.

Weitere geschichtliche Darstellungen folgten:

Heinrich Niebann,  „Die Freimaurerei im Or. Mainz – Geschichtlicher Ueberblick auf Grund der Archiv-Documente der Loge ‚Die Freunde zur Eintracht‘ “, 1874

–  Karl Heinrich Heck. Die Freimaurerei im Orient Mainz.

Geschichtlicher Überblick, 1884

  • Friedrich Alexander Kräuter, „Maurerische Geschichtsbilder“, 1894
  • Karl Nies, Der Freimaurerbund zur Eintracht, 1896
  • Die Freimaurerei in Mainz, 1803-1953. Festschrift zum 150jährigen Jubiläum der „Loge die Freunde zur Eintracht“ im Orient Mainz Nr. 203
  • Carl Diemer, Die Geschichte der Loge „Zum Goldenen Rad am Rhein“ om Or:. Mainz, 1959

Es ist ein besonderes Verdienst des Wissenschaftlers Professor Dr. Winfried Dotzauer von der Universität Mainz, die geschichtlichen Ereignisse und Zusammenhänge von Freimaurerlogen am Rhein und somit auch der Mainzer Loge aufgearbeitet zu haben. Sein Werk „Freimaurergesellschaften am Rhein“ (1977) darf als fundamentaler Beitrag zur freimaurerischen Geschichtsschreibung gewürdigt werden.

Es bleibt die Hoffnung, dass die nun zugänglichen Dokumente im Geheimen Staatsarchiv zu Berlin einer weiterer wissenschaftlichen Bearbeitung dienen können.

Literatur:

  • Kornelia Lange / Dr. Jürgen Kloosterhuis; „Das Geheime Staatsarchiv Preussischer Kulturbesitz und die Freimaurerarchivalien“, in: Quator CoronatiNr. 36 (1999), S. 11-18.
  • Dieter Diefenbach; „Dokumente deutscher Logen in der Französischen Nationalbibliothek“, in: TAU, II (1988), S. 8
  • Renate Endler / Elisabeth Schwarze Neuß; Die Freimaurerbestände im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Frankfurt 1996